• Zeughausmesse, Foto: Berliner Volksbank/Peter Adamik
    Zeughausmesse, Foto: Berliner Volksbank/Peter Adamik

Selbstverständnis

Treffpunkt der Angewandten Kunst in Berlin

Die Zeughausmesse versteht sich als Treffpunkt der Angewandten Kunst in Berlin. Sie bietet einer breiten Öffentlichkeit die Gelegenheit, angewandten Künstlern zu begegnen und hochwertige Gebrauchsgegenstände zu kaufen. Publikum wie Künstlern eröffnet sie zudem stets neue Einblicke in jene Kombination von Materialbeherrschung und ästhetischer Vollendung, die zur Herstellung von Modern-Craft-Objekten unerlässlich ist. Bei der Auswahl der Teilnehmer der Messe steht deren Fähigkeit im Fokus, traditionelle sowie zeitgemäße und unkonventionelle Techniken, Materialen und Ideen zu verbinden. Die handwerkliche und künstlerische Qualität ihrer Arbeiten inspiriert und regt zum Gespräch an. Ausstellungen und Messen der Angewandten Kunst waren und sind daher Orte lebhafter Begegnungen. Hier stehen die Funktion und das Potential des heute Angewandte Kunst genannten Zweiges der Bildenden Kunst im Mittelpunkt des Interesses. Als geeigneter Ort der Reflektion sieht sich die Zeughausmesse so auch langfristig in der Rolle einer Vermittlerin zwischen Kunst und Publikum.

Modern Craft: das benutzbare Kunstobjekt

Experimentierfreude und Innovation prägen die Arbeit der angewandten Künstler, die ihre Modern-Craft-Objekte auf der Messe präsentieren. Charakteristikum des Modern-Craft-Objekts ist seine den reinen Gebrauchszweck übersteigende Qualität. Es unterscheidet sich von handwerklich hergestellten Gegenständen der vorindustriellen Zeit dadurch, dass es nicht mehr zum Überleben gebraucht wird. Befreit von der reinen Gebrauchsdoktrin, konnte und musste sich der Handwerker seit der industriellen Revolution intensiver der ästhetischen und konzeptionellen Gestaltung des Gegenstandes widmen. Damit wurde der handgemachte Gebrauchsgegenstand in gewisser Weise aufgewertet: er wurde zum Kunstgegenstand, zur auf die Anwendung ausgerichteten Kunst. Auf der Zeughausmesse verkaufen angewandte Künstler so auch benutzbare Kunstobjekte, die durch ihre ästhetische und konzeptionelle Qualität bestechen. Zum Gebrauch bestimmt, sind sie haptisch erfahrbare Kunst. So wie alle Objekte, erzählen Modern-Craft-Objekte dabei die Geschichte ihrer Entstehung, die weit komplexer ist als jene, die industriell hergestellte Objekte je zu erzählen in der Lage sein werden.

Benutzbare Kunst und digitale Welt

Gegenwärtig ist der Alltag von Tastendruck, Mausklick und Wischen über homogene Oberflächen geprägt. Zugleich eröffnen digitale Techniken eine große Vielfalt visueller und auditiver Gestaltungsmöglichkeiten und Eindrücke. Konkrete Körperlichkeit hingegen lässt sich über analoge Gegenstände des täglichen Gebrauchs besser erfahren. Angewandte Künstler stellen verwendbare Dinge her, die tradiertes Können und künstlerische Qualität sinnlich und insbesondere haptisch erfahrbar machen. Die Zeughausmesse befriedigt so auch die im Kontext des Digitalen wachsende Lust an haptisch erfahrbarer, im eigentlichen Sinn begreifbarer Kunst, und wirft damit ein ganz neues Licht auf das Potenzial der Angewandten Kunst.

Text: Maja Peltzer